~ Winterschlaf ~

Liebe Freundïnnen,

schönen Noktober euch allen. Oder eigentlich auch schon fast heiteren Nokzember. Schmiert ja alles ineinander dieser Tage. Bald ist Nozembuar und dann kommt schon irgendwann der Maipril und dann der Junigust und wir tanzen alle mit einer Ampulle Sputnik V im Arm durch die Alster-Bille-Elbe-Magistrale. Lachen ins grüne Band und von der Ferne winkt mit irrem Blick der slowenische Premier Janez Janša* mit einer Flasche Schmunzelsirup und gratuliert Konrad Adenauer zum Wahlsieg in der Hamburger Bürgerïnnenschaft. Wir zeigen uns eine Videobotschaft vom ehemaligen Hass-Koch, der beim Woofen in einer dänischen Nerzfarm seine Leidenschaft fürs nachhaltige Gerben entdeckt hat und darüber seine sonstigen Ideen versehentlich vergessen hat. Und Friedrich Merz leitet eine Zweigstelle des Four Seasons Total Landscaping im Hochsauerlandkreis.

Doch bis dahin heißt es warten. Auf den Impfstoff, auf besseres Wetter, auf bessere Menschen. Langsam sind wir ja daran gewöhnt. Und wenn man die Augen ganz fest zusammenkneift und die Musik noch ein bisschen lauter dreht, dann ist das Warten bis die Nevadeserïnnen ihre Zettel zählen doch schon ein bisschen wie die verwirrenden Aufbruchsstunden am bitteren Ende der Afterhour, wenn einer noch kurz seit Samstag seine Jacke holt und eine beim Klogang noch schnell einen Tag mit neuen besten Freunden dranhängt. OK, es ist nicht das Gleiche. War ein Versuch. Ist ja auch für uns schon lange her mit dem richtig Feiern.

Was sollen wir sagen, es gibt auch im Süden nichts Neues. Wie ihr alle, warten auch wir. Üben uns im Aushalten und Durchhalten. Versuchen, dabei das Einmischen nicht zu kurz kommen zu lassen. Vielleicht liegt im Aushaltenlernen ja auch was Gutes. Vielleicht hilft uns das ja beim Lesen eines Newsletters, der unzweifelhaft unsere Ziele teilt, uns nicht von Kleinigkeiten auf die Füße getreten zu fühlen. Und vielleicht hilft es uns beim Schreiben eines Newsletters zu verstehen, dass andere andere Grenzen und Empfindungen haben und wir versuchen, uns beim nächsten Mal bedachter auszudrücken. Wir versuchen, das alles auszuhalten, aufeinander zuzugehen und das eigene Ego etwas zu zügeln. Wir haben ja Zeit gerade, lenkt ja endlich mal kein Rave vom Eigentlichen ab.

Nun aber genug des Ernstes. Denn nirgends steht geschrieben: Ihr sollt artig sein, wenn ihr nicht tanzen könnt. Absolut nirgends steht das. Man kann das zwar tun, dafür gibt es sicher Gründe. Andererseits will man ja auch nicht vollkommen aus der Übung sein, wenn plötzlich die Technotüren wieder öffnen, irgendwann. Keine Toleranz ist auch keine Lösung. Also ran, an die Keksschublade. Und wie sagte schon August Bebel: “Wie schön das wäre, wenn wir nächstes Jahr den Südpol wieder öffnen könnten, um endlich wieder gemeinsam mit euch zu raven.” Sinngemäß. Lasst uns durchhalten bis dahin, lasst uns einander aushalten und uns nicht vom Widerspruch gegen Rechtes wie Unrechtes abhalten.


*Und weil wir Janša schon erwähnt haben, hier ein paar Schmunzelfakten zum drolligen Grüß-August aus Slowenien: Der Frühstücksdirektor ist Sozialdemokrat und Freund des ungarischen Rübenkopfes Viktor Orbán, Leugner des menschengemachten Klimawandels, Besorgter um den “kulturellen Marxismus” der EU, Befürworter der Bewaffnung von Privatpersonen und Unterstützer des österreichischen Frisurenmodells und neurechten Urinkünstlers Martin Sellner. Aber gut, genug des Infotainment.

 * S * Ü * D * P * O * L *

————————————————————–